Das Bankdrücken gehört zweifellos zu den beliebtesten Kraftübungen weltweit. In nahezu jedem Fitnessstudio ist die Flachbank ein zentraler Anlaufpunkt – egal ob für ambitionierte Kraftsportler, Bodybuilder oder Fitnessenthusiasten. Diese Basisübung gilt als Goldstandard für den Aufbau der Brustmuskulatur und wird sowohl von Anfängern als auch von Profiathleten regelmäßig praktiziert.
Doch trotz seiner Popularität birgt das Bankdrücken ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Schulterverletzungen. Insbesondere bei falscher Ausführung oder unangepasster Technik können schmerzhafte und langwierige Verletzungen die Folge sein, die nicht nur die Trainingsfortschritte behindern, sondern auch im Alltag erhebliche Einschränkungen verursachen können.
Eine aktuelle wissenschaftliche Studie, veröffentlicht im Frontiers in Physiology Journal, hat sich genau mit diesem Problem befasst. Forscher untersuchten, wie sich verschiedene Ausführungsvarianten des Bankdrückens auf die Belastung des Schultergelenks auswirken und welche Techniken das Verletzungsrisiko potenziell reduzieren können.
In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Erkenntnisse dieser Studie und geben dir wissenschaftlich fundierte Empfehlungen, wie du deine Bankdrücktechnik optimieren kannst, um effektiv und vor allem sicher zu trainieren.
Bevor wir in die Details der Studie eintauchen, lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die typischen Schulterverletzungen zu werfen, die beim Bankdrücken auftreten können. Die Forscher identifizierten in ihrer Literaturrecherche drei besonders häufige Verletzungsmuster:
Diese Verletzungen betreffen keineswegs nur Spitzenathleten – sie sind sowohl bei Leistungssportlern als auch bei Freizeitathlen weit verbreitet. Die Hauptursache liegt häufig in einer unsachgemäßen Bankdrücktechnik, die zu übermäßigen Belastungen der Schulterstrukturen führt.
Genau hier setzt die Studie an. Ihr Ziel war es, die biomechanischen Auswirkungen verschiedener Bankdrücktechniken auf die muskuloskeletale Belastung der Schulter zu untersuchen. Die Forscher wollten herausfinden, welche spezifischen Modifikationen – wie z.B. unterschiedliche Griffbreiten, Schulterabduktionswinkel und Schulterblattpositionen – das Verletzungsrisiko potenziell verringern können.
Durch diese präzise biomechanische Analyse wollten die Wissenschaftler evidenzbasierte Empfehlungen für eine sicherere Bankdrückpraxis entwickeln – ein Ansatz, der sowohl für Trainer und Coaches als auch für Athleten aller Leistungsstufen von großem Wert ist.
Um verlässliche Daten zu gewinnen, entwickelten die Forscher ein ausgeklügeltes Studiendesign. An der Untersuchung nahmen 10 erfahrene Kraftsportler teil, die alle über umfangreiche Erfahrung im Bankdrücken verfügten. Diese Athleten führten insgesamt 21 unterschiedliche technische Variationen des Bankdrückens mit einer Langhantel durch.
Die Variationen wurden systematisch in drei Hauptkategorien unterteilt:
Die Teilnehmer testeten drei verschiedene Griffbreiten:
Die bi-akromiale Breite bezeichnet dabei den Abstand zwischen den äußersten Punkten beider Schultern.
Drei verschiedene Winkel wurden untersucht, in denen die Oberarme vom Körper abgespreizt wurden:
Zudem wurden drei unterschiedliche Positionen des Schulterblatts getestet:
Um die Muskel- und Gelenkbelastungen präzise zu quantifizieren, kam modernste Technologie zum Einsatz: Ein optoelektronisches System verfolgte die Bewegungen der Athleten, während eine speziell instrumentierte Langhantel die einwirkenden Kräfte maß. Zusätzlich wurden Simulationen mit einem OpenSim-Muskelskeletmodell durchgeführt, um detaillierte Einblicke in die wirkenden Gelenkreaktionskräfte in der Schulter zu erhalten.
Diese umfassende Datenerhebung erlaubte es den Forschern, die verschiedenen Ausführungsvarianten systematisch zu vergleichen und ihren Einfluss auf die Belastung des Schultergelenks zu analysieren – ein methodisch anspruchsvoller, aber notwendiger Ansatz, um fundierte Schlussfolgerungen ziehen zu können.
Die Analyse der gesammelten Daten lieferte aufschlussreiche Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Bankdrücktechnik und Schulterbelastung. Zwei Faktoren kristallisierten sich dabei als besonders einflussreich heraus: die Griffbreite und die Position des Schulterblatts.
Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass schmalere Griffbreiten zu einer signifikanten Reduzierung der muskuloskeletalen Belastung im Schulterbereich führten. Konkret wurden zwei entscheidende Verbesserungen festgestellt:
Ein weiteres wichtiges Ergebnis betraf die Position des Schulterblatts während des Bankdrückens:
Die Retraktion des Schulterblatts – also das aktive Zusammenziehen der Schulterblätter in Richtung Wirbelsäule – führte ebenfalls zu einer deutlichen Verringerung der Schulterbelastung. Diese Position scheint eine stabilere Grundlage für die Ausführung der Übung zu bieten und verteilt die einwirkenden Kräfte gleichmäßiger über den gesamten Schultergürtel.
Interessanterweise stellten die Forscher auch fest, dass die Variation in den mediolateralen (seitlichen) Kräften, die von den Athleten ausgeübt wurden, einen erheblichen Einfluss auf die Schulterbelastung hatte. Dies deutet darauf hin, dass personalisierte Technikanpassungen besonders vorteilhaft sein könnten.
Mit anderen Worten: Nicht jede Technik funktioniert für jeden Athleten gleich gut. Die individuellen anatomischen Unterschiede, Kraftniveaus und Bewegungsmuster spielen eine wichtige Rolle bei der Bestimmung der optimalen Bankdrücktechnik für den Einzelnen.
Diese Ergebnisse liefern wertvolle wissenschaftliche Grundlagen für die Entwicklung sichererer Bankdrücktechniken und unterstreichen die Bedeutung einer bewussten Technikvariabilität im Krafttraining.
Wie bei jeder wissenschaftlichen Untersuchung ist es wichtig, die Limitationen der Studie zu berücksichtigen, um die Ergebnisse in den richtigen Kontext zu setzen und ihre Anwendbarkeit besser einschätzen zu können.
Mit nur 10 Teilnehmern war die Stichprobe der Studie relativ klein. Dies ist bei biomechanischen Untersuchungen dieser Art nicht ungewöhnlich, da der technische Aufwand für die präzise Datenerfassung sehr hoch ist. Dennoch schränkt diese geringe Teilnehmerzahl die statistische Aussagekraft der Ergebnisse ein und macht es schwieriger, die Erkenntnisse auf die breite Bevölkerung zu übertragen.
Die Forscher weisen selbst darauf hin, dass weitere Studien mit größeren und diverseren Teilnehmergruppen nötig wären, um die Ergebnisse zu validieren und zu verallgemeinern.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Umgebung, in der die Studie durchgeführt wurde. Die Experimente fanden unter kontrollierten Laborbedingungen statt, die möglicherweise nicht perfekt die realen Bedingungen im Fitnessstudio simulieren können.
Die Athleten trugen Markierungen für das Bewegungserfassungssystem und verwendeten eine speziell instrumentierte Hantel – ein Setting, das sich deutlich von der gewohnten Trainingsumgebung unterscheidet. Diese künstlichen Bedingungen könnten das natürliche Bewegungsverhalten der Teilnehmer beeinflusst haben.
Besonders relevant ist auch die Beobachtung, dass die individuellen Technikunterschiede zwischen den Athleten einen erheblichen Einfluss auf die Messergebnisse hatten. Dies deutet darauf hin, dass die "ideale" Bankdrücktechnik von Person zu Person variieren kann und von Faktoren wie Körperbau, Beweglichkeit und trainingstechnischer Vorgeschichte abhängt.
Diese individuellen Unterschiede erschweren es, allgemeingültige Empfehlungen abzuleiten, die für alle Menschen gleichermaßen gelten. Stattdessen unterstreichen sie die Notwendigkeit personalisierter Ansätze in der Trainingsgestaltung.
Trotz dieser Einschränkungen liefert die Studie wertvolle Einsichten in die biomechanischen Zusammenhänge zwischen Bankdrücktechnik und Schulterbelastung. Die identifizierten Grundprinzipien – wie der Vorteil schmalerer Griffbreiten und der Schulterblattretraktion – scheinen robust zu sein und bieten eine wissenschaftlich fundierte Basis für praktische Empfehlungen.
Die Erkenntnisse der Studie haben weitreichende Implikationen für verschiedene Bereiche – von der klinischen Rehabilitation über das professionelle Coaching bis hin zum individuellen Training. Hier beleuchten wir, wie diese Forschungsergebnisse in der Praxis genutzt werden können.
Für medizinisches Fachpersonal bieten die Studienergebnisse wertvolle Einsichten für die Rehabilitation von Schulterverletztungen und die Prävention von Folgeschäden:
Trainings- und Sportfachleute können die Forschungsergebnisse präventiv in ihre Coaching-Methoden integrieren:
Einer der wichtigsten Aspekte, den die Studie hervorhebt, ist die Bedeutung individualisierter Trainingsprogramme:
Diese praktischen Anwendungen der Forschungsergebnisse können dazu beitragen, das Bankdrücken zu einer sichereren und effektiveren Übung für alle Trainierenden zu machen – vom Rehabilitationspatienten über den Freizeitsportler bis hin zum Wettkampfathleten.
Basierend auf den Erkenntnissen der Studie und ergänzt durch etablierte Best Practices im Krafttraining, haben wir hier konkrete Empfehlungen für ein sicheres und effektives Bankdrücken zusammengestellt.
Die Studie zeigt, dass ein schmalerer Griff die Schulterbelastung reduzieren kann. Hier ein praxisorientierter Ansatz zur Bestimmung deiner idealen Griffbreite:
Die Retraktion (das Zusammenziehen) der Schulterblätter hat sich als vorteilhaft für die Reduzierung der Schulterbelastung erwiesen:
Die Studie betont die Bedeutung individueller Anpassungen. Hier einige Tipps zur Personalisierung deiner Bankdrücktechnik:
Diese praktischen Tipps helfen dir, die wissenschaftlichen Erkenntnisse in deine Trainingspraxis zu integrieren und das Bankdrücken sowohl sicherer als auch effektiver zu gestalten.
Die vorgestellte Studie liefert wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse, die unser Verständnis von sicherem und effektivem Bankdrücken signifikant erweitern. Die Untersuchung der verschiedenen Techniken hat deutlich gezeigt, dass relativ einfache Anpassungen – insbesondere bei der Griffbreite und Schulterblattposition – einen erheblichen Einfluss auf die Belastung des Schultergelenks haben können.
Diese Erkenntnisse sind nicht nur für Leistungssportler relevant, sondern für Krafttrainierende aller Niveaus – vom Anfänger bis zum Profi. Das Bankdrücken bleibt eine fundamentale Übung im Krafttraining, und die Fähigkeit, sie sicher und effektiv auszuführen, ist für langfristigen Trainingserfolg unerlässlich.
Die Implementierung dieser wissenschaftlich fundierten Technikmodifikationen kann dazu beitragen, das Verletzungsrisiko zu minimieren und gleichzeitig die Effektivität des Trainings zu maximieren – eine Win-win-Situation für jeden Trainierenden.
Wie die Autoren der Studie selbst anmerken, ist weitere Forschung notwendig, um die gefundenen Ergebnisse in größeren und diverseren Athletenpopulationen zu validieren. Besonders interessant wären Langzeitstudien, die untersuchen, wie sich verschiedene Bankdrücktechniken über mehrere Jahre auf die Gesundheit der Schulter auswirken.
Zukünftige Studien könnten auch technologische Innovationen wie KI-gestützte Bewegungsanalysen einbeziehen, um noch präzisere und personalisierte Empfehlungen für einzelne Athleten zu entwickeln. Die Integration dieser Technologien in den Trainingsalltag könnte eine neue Ära des wissenschaftlich fundierten, individualisierten Krafttrainings einläuten.
Die wissenschaftliche Untersuchung verschiedener Bankdrücktechniken zeigt eindrucksvoll, dass oft bereits kleine Anpassungen eine große Wirkung haben können. Durch das Verständnis der biomechanischen Zusammenhänge und die bewusste Anwendung dieser Erkenntnisse kannst du dein Training nicht nur sicherer, sondern auch nachhaltiger gestalten.
Ein schmalerer Griff und retrahierte Schulterblätter mögen zunächst wie geringfügige Details erscheinen, doch über Hunderte oder Tausende von Wiederholungen hinweg können diese Modifikationen den entscheidenden Unterschied zwischen einer gesunden Schulter und einer Verletzung ausmachen.
Nutze diese wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse, um deine Bankdrücktechnik zu optimieren, und denke daran: Gutes Training ist nicht nur eine Frage der Intensität, sondern auch der Intelligenz. Dein Körper wird es dir danken – mit langfristiger Gesundheit und kontinuierlichen Fortschritten.